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«Die Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst,
durch Nichtgebrauch dahinschwindet.»
Carl Friedrich von Weizsäcker
Wie wollen wir uns regieren lassen?
Ceterum Censeo | 23. April 2010 Wie wollen wir uns regieren lassen?Eine Zusammenfassung des Referates von Prof. Dr. Hanspeter Kriesi anlässlich der Beiratssitzung vom 17. März 2010 in Zürich

Das Schweizer Regierungssystem hat drei Hauptprobleme:

Erstens leidet es an einer Führungsschwäche des Bundesrates. Dies manifestiert sich darin, dass der Bundesrat nicht regiert, sondern hauptsächlich verwaltet und eher ein neutraler Schiedsrichter als ein starkes Führungsgremium darstellt. Dieses Problem hat seine Ursache in der Konzeption des Bundesrates als „Parlaments-Ausschuss-Regierung“ und der jährlich rotierenden und schwachen Ratspräsidentschaft. Besonders in Krisensituationen zeigt sich diese Führungsschwäche.

Zweitens fehlt dem Bundesrat die Kohärenz. Das Kollegialitätsprinzip funktioniert immer weniger. Die Mitglieder des Bundesrates äussern sich unterschiedlich gegenüber der Öffentlichkeit und machen den fehlenden Konsens damit sichtbar. Diese Problematik rührt daher, dass unsere Konkordanzregierung nichts anderes als eine permanente grosse Koalition darstellt. Durch immer lauter werdende Rufe nach Transparenz und Verantwortlichkeit sowie der medienzentrierten Kommunikation wird diese Problematik noch verschärft.

Drittens stösst der Bundesrat an seine Kapazitätsgrenzen. Durch die immer komplexer werdenden Geschäfte und die wachsenden Departemente sowie der hohen Präsenzzeit in parlamentarischen Kommissionen und Sitzungen werden die Bundesratsmitglieder zeitlich überfordert.

Als Lösung dieser Probleme wird oft die Volkswahl des Bundesrats vorgeschlagen. Dies ist aber nur „une fausse bonne idée“, weil diese das Kapazitätsproblem nicht löst und das Kohärenz- und Koordinationsproblem durch die Mediatisierung der Politik sogar noch verschärft.

Alternativen zur Volkswahl sind die „politische Weichenstellung“ und der „sanfte Umbau“.

Die politische Weichenstellung beinhaltet die Bildung von kohärenten Regierungskoalitionen mit Koalitionsvertrag aufgrund einer Listenwahl im Parlament. Dadurch können Verfassungsänderungen vermieden und die Voraussetzungen des Kollegialsystems erhalten werden. Eine solche Änderung leistet einen Beitrag zur Lösung der Führungsschwäche, trägt aber nicht zur Verringerung des Kapazitätsproblems bei.

Ein sogenannt sanfter Umbau beinhaltet eine Verstärkung der Regierungsspitze mittels Erhöhung der Amtsdauer des Bundespräsidenten auf vier Jahre. Auch wird der Bundesrat je nach Notwendigkeit und gewählter Struktur auf 9, 11, 13 oder 15 Mitglieder erweitert. Damit werden die Probleme der Führungsschwäche und der Kapazitätsgrenze gemindert oder gelöst, jedoch nicht unbedingt das Kohärenzproblem. Ausserdem ist dafür eine Verfassungsänderung notwendig.

Als optimale Lösung wird folglich nicht eine dieser Alternativen, sondern eine Mischform aus beiden vorgeschlagen. Damit können alle drei Hauptprobleme des heutigen Regierungssystems gelöst werden.

Weiterführende Informationen:

»» "Beiratssitzung 2010: Wie wollen wir uns regieren lassen?"
    (Informationen zur Beiratssitzung vom 17.03.2010)

 
Ceterum Censeo | 19. April 2012 Vom Wert bürgerlicher Tugenden im Internetzeitalter Eine Tugend wird im heutigen Sprachgebrauch oftmals mit etwas Antiquiertem assoziiert. Wird diesem noch das Wort bürgerlich vorangestellt, verkommt es in den Augen Vieler vollständig zu einem Konzept der Vergangenheit. Oft genannte bürgerliche Tugenden wie Anstand, Fleiss, Disziplin, Bescheidenheit und Verantwortung gepaart mit Gemeinsinn werden von vielen Zeitkritikern der heutigen Web2.0-Gesellschaft in Abrede gestellt. Hedonismus, Genusssucht, Leben auf Pump, Anspruchsmentalität und Entsolidarisierung sind im Trend.

Sind die bürgerlichen Tugenden, wie oft proklamiert, wirklich vom Aussterben bedroht? Wo sind die Ursachen dafür zu identifizieren? Und wie können wir verlorene Tugenden wie Fleiss, Bescheidenheit und andere wieder revitalisieren?

 
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c/o Dr. Jörg N. Rappold
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