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«Naturwissenschaftler wissen genau, wie zwei Atome
in einem Molekül zusammengehalten werden.
Was aber hält unsere Gesellschaft zusammen?»
Elisabeth Noelle-Neumann
Mit Kernenergie in eine sichere und ökologischere Zukunft
Ceterum Censeo | 10. Februar 2010Mit Kernenergie in eine sichere und ökologischere Zukunft Frühestens Ende 2013 wird das Schweizer Volk in einer allfälligen Referendumsabstimmung seinen Willen zum Bau eines neuen Kernkraftwerks ausdrücken können. Bis zu diesem Zeitpunkt ist mit einer hitzigen Diskussion rund um den vielschichtigen Themenkomplex Energieversorgung, Ökologie, Sicherheit und nicht zuletzt politischer und wirtschaftlicher Interessen zu rechnen.

Trotz dem Einsatz von immer energieeffizienteren Geräten rechnen der Bund und die Elektrizitätsbranche übereinstimmend für das Jahr 2020 mit einer Versorgungslücke beim Strom. Die Bedarfszunahme bei der Elektrizität entsteht nicht nur aufgrund des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums, sondern auch wegen der Substitution von CO2 intensiven Energieträgern wie Heizöl oder Benzin durch Elektrizität. Schliesslich ist nach dem Auslaufen der Importverträge vor allem mit Frankreich nicht mit einer reibungslosen Erneuerung zu rechnen. Frankreich produziert seinen Strom zunehmend für sich selber.

Wie kann die künftige Elektrizitätsversorgung der Schweiz in Anbetracht des steigenden Bedarfs langfristig gesichert werden? Die vollständige Integration der Schweiz in den europäischen Elektrizitätsmarkt und die damit verbundene Abhängigkeit von Importen ist wegen der Versorgungssicherheit klar nicht wünschenswert. Die Schweiz verfügt über ideale Bedingungen zur Produktion von Elektrizität und damit zur Selbstversorgung und zum Export. Dieser komparative Standortvorteil muss genutzt werden.

Unser Elektrizitätsmix aus Wasser- und Kernkraft gewährleistet die Energieversorgung langfristig, günstig und mit hoher Unabhängigkeit. Die Kernenergie ist nicht nur ökonomisch sinnvoll sondern hat ökologisch den Vorteil, nahezu CO2-frei zu sein. Die Lebenszyklus-Analyse der Treibhausgas-Emissionen der verschiedenen Energieträger zeigt deutlich, dass Kernkraftwerke, neben der Wasserkraft, die Umwelt am wenigsten belasten. Selbst Wind oder Photovoltaik schneiden schlechter ab. Moderne Druckwasserreaktoren sind zudem ausserordentlich sicher. Bei einer Störung entweicht das für die Reaktion erforderliche Wasser, was die Reaktion automatisch zum Stillstand bringt.

Die übrigen erneuerbaren Energieformen – Windkraft, Solarenergie, Erdwärme und Biogas - sind zu begrüssen, solange sie die Marktfähigkeit einigermassen aus eigener Kraft erreichen. Ihr Potential ist aber in der Schweiz schon aufgrund der geographischen Lage sehr begrenzt. Auch bei maximalem Ausbau werden sie nie ausreichen, um eine moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft befriedigend mit Strom zu versorgen. Gerade einmal etwa 0,01% des weltweiten Strombedarfs wird heute durch die Photovoltaik (PV) gedeckt. Solange sich der PV-Anteil im Zehntel-Promille-Bereich bewegt, kann nicht ernsthaft von einem wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung oder zum Klimaschutz gesprochen werden. Subventionierungen sind zu unterlassen: Die Erfahrungen in Deutschland, wo in jedem Solararbeitsplatz 150'000 Euro Steuergelder stecken, sind nicht ermutigend. Trotz riesigen Subventionen erreicht der Anteil an PV Strom in Deutschland bis heute nur rund ein halbes Prozent der Produktion.

Ideologische und parteipolitische Grabenkämpfe sind in Anbetracht der überwiegenden Vorteile der Kernenergie gegenüber anderen Energieträgern zum Wohle der Schweiz zu überwinden. Die Stromversorgung darf keine Glaubensfrage sein, Pragmatismus ist gefragt. Dass die Schweizer Bevölkerung hinter der Kernenergie steht, hat die kürzlich veröffentlichte Studie des Marktforschungsinstituts Demoscope deutlich aufgezeigt: 73% der Befragten gehen davon aus, dass die bestehenden Kernkraftwerke für die Stromversorgung benötigt werden, 55% befürworten einen Ersatz. Es ist deshalb richtig, dass Bundesrat Leuenberger alle drei Rahmenbewilligungsgesuche zum Ersatz bzw. Neubau der Kernkraftwerke prüfen lassen will. Die Schweiz benötigt kurzfristig zwei, mittel- und längerfristig eher drei neue Kernkraftwerke um die Stromversorgung langfristig, ökonomisch und ökologisch zu sichern.


Weiterführende Informationen:

»» "Kernkraftwerk Niederamt AG" (Rahmenbewilligungsgesuch der Alpiq)
»» "Kernkraftwerk Beznau" (Rahmenbewilligungsgesuch der axpo)
»» "Kernkraftwerk Mühleberg" (Rahmenbewilligungsgesuch der BKW)
»» "Kernenergie" (Informationen des Bundesamts für Energie betreffend Rahmenbewilligungsverfahren)
»» "www.kernenergie.ch" (Informationen von swissnuclear, Fachgruppe Kernenergie der swisselectric)
»» "Energieforum Nordwestschweiz" (Vereinigung von eidgenössischen und kantonalen Politikern, von Wissenschaftlern sowie von an Energiepolitik interessierten Bürgerinnen und Bürgern aus den Kantonen Aargau, Solothurn, Basel-Land und Basel-Stadt)
 
Ceterum Censeo | 3. Februar 2012 Vom Sonderfall zum ungeliebten Musterknaben: Gedanken zu den Standortvorteilen der Schweiz im taumelnden Europa Die Schweiz ist aktuell in einer besseren wirtschaftlichen Verfassung als viele andere Staaten. Auch die Finanzkrise vor drei Jahren bewältigte die Schweiz quasi im Eilzugtempo, während sich die Wirtschaft vieler Staaten jetzt noch auf der Kriechspur befindet. Sprach man früher vom Sonderfall Schweiz, passt heute eher der Begriff des Musterknaben für unsere spezielle Stellung. Sind Sonderfälle noch gelitten, werden Musterknaben selten geliebt, häufiger beneidet. Die Angriffe auf unsere Standortvorteile – Finanzplatz und Steuerfragen – führten den Unmute anderer Länder deutlich vor Augen. Das wirft die Frage auf, wo denn eigentlich unsere Vorteile heute noch liegen und wie stark diese gefährdet sind.

 
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