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«Naturwissenschaftler wissen genau, wie zwei Atome
in einem Molekül zusammengehalten werden.
Was aber hält unsere Gesellschaft zusammen?»
Elisabeth Noelle-Neumann
Nach der Krise ist vor der Krise
Ceterum Censeo | 10. August 2009Nach der Krise ist vor der Krise Wie alle anderen Industrienationen ist auch die Schweiz von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Nachdem es beinahe zu einem „Blackout“ des weltweiten Finanzsystems gekommen ist, stürzte die Weltwirtschaft nun in eine massive Rezession. Viele Staaten haben mit teilweise gigantischen Summen ihre Banken gestützt und versuchen mit Finanzspritzen und Konjunkturpaketen auch der übrigen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Das Rezept eines 1946 verstorbenen Ökonomen erscheint zweckmässig und kommt gelegen: Solange Private nicht konsumieren und investieren, muss der Staat mit Steuergeldern eingreifen, um die Nachfrage zu beleben.

Allerdings hat das Ganze einen schwerwiegenden Haken. Denn die Staatsinterventionen erfolgten praktisch ausschliesslich auf Pump. Und genau das könnte uns in die nächste Krise, die Schuldenkrise, führen. Zum einen ist völlig ungewiss, wie viel der für die Bankenrettung eingesetzten Gelder dereinst wieder zurückgeholt werden können. Zum andern wird ein grösserer Teil der für die Ankurbelung der Konjunktur eingesetzten Summen verpuffen. Die Staatshaushalte sind aber in Krisenzeiten nicht nur durch diese Ausgaben in Milliardenhöhe, sondern auch durch sinkende Steuereinnahmen und höhere Sozialausgaben strapaziert. Noch beunruhigender für die meisten Industrienationen ist die Tatsache, dass mit der Alterung der Bevölkerung hohe Zusatzbelastungen auf das Gesundheitswesen und die Altersvorsorge zukommen.

Noch steht die Schweiz mit ihren Staatsfinanzen auf Stufe Bund, Kanton und Gemeinde vergleichsweise gut da. Damit das so bleibt, muss für uns – wie auch für alle anderen Volkswirtschaften – das Motto gelten: Nach der Krise ist vor der Krise. Die entscheidende Frage ist darum weniger, wann die Weltwirtschaft die Talsohle erreicht, sondern mit welchen Rezepten und mit welchem Verhalten eine nachhaltige Gesundung der Wirtschaft erzielt und sichergestellt werden kann. Wir brauchen darum nicht nur eine klügere Bankenregulierung und eine griffigere Aufsicht über die Finanzmärkte. Wir müssen vor allem unsere Standortvorteile erhalten und ausbauen. Dazu gehören gesunde Staatshaushalte auf allen drei Ebenen. Damit wir dieses Ziel erreichen und die Wirtschaft wieder florieren kann, benötigen wir Steuer-, Kosten- und Gebührensenkungen.

Zentrale Vorteile in der nächsten Krise werden diejenigen Staatswesen und Volkswirtschaften haben, die konsequent eine vergleichsweise niedrige private und öffentliche Schuldenquote einhalten. Wir sichern uns damit bei der nächsten Krise den nötigen Handlungsspielraum. Denn die nächste Krise kommt bestimmt.


Weiterführende Links:

»» "Wirtschaft in der Krise" (Dossier der NZZ)

»» "Von der Finanzkrise zur Wirtschaftskrise" (Ein Überblick in der Zeit)

»» "An assessment of financial sector rescue programmes"
(Eine Studie der Bank For International Settlements)
 
Ceterum Censeo | 3. Februar 2012 Vom Sonderfall zum ungeliebten Musterknaben: Gedanken zu den Standortvorteilen der Schweiz im taumelnden Europa Die Schweiz ist aktuell in einer besseren wirtschaftlichen Verfassung als viele andere Staaten. Auch die Finanzkrise vor drei Jahren bewältigte die Schweiz quasi im Eilzugtempo, während sich die Wirtschaft vieler Staaten jetzt noch auf der Kriechspur befindet. Sprach man früher vom Sonderfall Schweiz, passt heute eher der Begriff des Musterknaben für unsere spezielle Stellung. Sind Sonderfälle noch gelitten, werden Musterknaben selten geliebt, häufiger beneidet. Die Angriffe auf unsere Standortvorteile – Finanzplatz und Steuerfragen – führten den Unmute anderer Länder deutlich vor Augen. Das wirft die Frage auf, wo denn eigentlich unsere Vorteile heute noch liegen und wie stark diese gefährdet sind.

 
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