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«Verstehen kann man das Leben nur rückwärts.
Leben muss man es vorwärts.»
Sören Kierkegaar
Zur Bolognareform: Vor- und Nachteile der Harmonisierung
Ceterum Censeo | 9. Januar 2009Zur Bolognareform: Vor- und Nachteile der Harmonisierung Gleich wie beim "Harmos"-Konkordat befindet sich die Schweiz auch bei der Umsetzung der Bolognareform in einem gewissen Dilemma: Dem wechselseitigen Spannungsfeld zwischen Standardisierung und föderalistischem Wettbewerb.

Die von der Bologna-Deklaration angestrebte Standardisierung geht ohne Zweifel auf Kosten von Autonomie, Individualität und einer gewissen Dynamik bei der Suche nach besseren Forschungs- und Lehrkonzepten. Will man auch im grösseren, europäischen Kontext wettbewerbsfähig sein, sind Harmonisierungen unausweichlich. In dem Masse, in dem damit teilweise der Wettbewerb zwischen den Hochschulen in der Schweiz eingeschränkt wird, gewinnen wir an internationaler Wettbewerbsfähigkeit hinzu. Und dieser Zugewinn ist für die akademische Bildung eines Landes mit global ausgerichteter Wirtschaft gewiss notwendig.

Insgesamt überwiegen somit die Vorteile der damit erzielten Vergleichbarkeit der Lehrgänge insbesondere für die Lernenden. Die innereuropäische Mobilität von Studierenden (aber auch diejenige der Lehrenden!) wird deutlich erleichtert. Hemmnisse bei den die Grenzen überschreitenden Ausbildungsgängen verschwinden, den Studienort zu wechseln wird einfacher und erbrachte Studienleistungen sind auch andernorts anerkannt. Negative Folgen - wie bei Harmonisierungen oder Zentralisierungen oft zu beobachten -  sind allerdings auch unübersehbar: Beklagt wird eine gewisse Verschulung der Studiengänge sowie eine Verbürokratisierung der akademischen Lehrtätigkeiten.

Seit den Anfängen des Bolognaprozesses vor bald zehn Jahren ist die Schweiz nun an der Reform beteiligt. Die Strukturreform an den Schweizer Universitäten wird im Wesentlichen als bereits abgeschlossen betrachtet - zu Beginn des Studienjahres belegen bereits knapp 85 Prozent der Studierenden einen Bologna-Studiengang.

Trotz den erwähnten Vor- und Nachteilen stimmen die Situationsanalysen und Umfragen insgesamt positiv. Ähnlich wie den Studierenden Lebenslanges Lernen empfohlen wird, empfiehlt es sich, die Bologna-Deklaration als noch nicht abgeschlossenen Prozess zu verstehen. Weitere Optimierungen können und müssen angegangen werden: Verbesserung der Arbeitsmarktfähigkeit, Ausarbeitung nationaler Qualifikationsrahmen und Ziele sowie die Weiterentwicklung der Bolognareform nach 2010 sind unter anderem Themen, welche die Bildungsminister noch dieses Jahr an ihrer nächsten Zusammenkunft traktandiert haben.

Vertiefung zum Thema Bolognareform:

»» "Passt der Bologna-Prozess zur föderalistischen Schweiz?" (Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2008, Prof. Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftinstituts)

»» "Über die Bolognareform" (Informationen der Rektorenkonferenz der Schweizerischen Universitäten (crus))

»» "Prioritäten 2009-2011 für die Weiterführung der Bolognareform an den schweizerischen Universitäten der Bologna-Delegation und des Bologna-Netzwerks" (Informationen der Rektorenkonferenz der Schweizerischen Universitäten (crus))

»» "Bologna Process Benelux 2009" (Informationen Ministerkonferenz zum Bologna-Prozess, 28.-29. April 2009 in Leuven/Louvain-la Neuve)

»» "National Report 2007 – 2008 - Switzerland" (Zwischenbericht zum Stand der Umsetzung von Bologna an den Hochschulen der Schweiz zur Vorbereitung der Bologna-Ministerkonferenz in Leuven/Louvain-la-Neuve (April 2009))

 

Ceterum Censeo | 31. Mai 2013
Soll der Mittelstand blühen, bedingt das Zurückhaltung des Umverteilungs- und Interventionsstaates
Im Vergleich zum Ausland fällt auf, dass das Standesdenken hierzulande kaum existiert. Den Erbadel haben wir vor hunderten von Jahren davongejagt, Angehörige des Geldadels gab es immer, sie waren aber wenig sichtbar. Dem Zunftwesen hat die liberaldemokratische Bewegung ein Ende gesetzt, und die Klassenkampfperiode war ein eher kurzes Intermezzo nach dem Ersten Weltkrieg.

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