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«Verstehen kann man das Leben nur rückwärts.
Leben muss man es vorwärts.»
Sören Kierkegaar
Wir sind, was wir wissen
Ceterum Censeo | 5. Dezember 2008Wir sind, was wir wissen Die Heftigkeit und Vehemenz mit der jüngst in verschiedenen Kantonen die Debatte um das „Harmos“-Konkordat geführt worden ist, zeugt nicht zuletzt von einem gewissen Reformstau im Bildungsbereich. Unsere Gesellschaft hat in den letzten Jahren eine enorme Dynamik erfahren, die Welt wird zusehends komplexer und das viel kolportierte Schlagwort der Globalisierung nimmt immer konkretere Formen an. Dieser rasanten Entwicklung unserer Lebensumstände stehen nicht nur, aber auch die Bildungsinstitutionen zunehmend etwas ratlos gegenüber.

Doch es kann, allen Unkenrufen von Pisa zum Trotz, nicht darum gehen, die Schule neu zu erfinden. Gewiss, der Wandel der Zeit muss seinen Widerhall auch im Bildungsbereich finden, und wenn sich die Inhalte des Unterrichts dieser Dynamik fraglos anpassen müssen, so bleibt der Sinn der (dem humanistischen Ideal verpflichteten) Schule doch noch immer derselbe: Die buchstäbliche Bildung des Geistes, die Vermittlung von Werten, ja letztlich die Heranbildung eines mündigen Bürgers. Hier ist die Politik, aber auch die engagierte Zivilgesellschaft gefordert, gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren, damit die Bildungsinstitutionen diesem Postulat auch in Zukunft gerecht werden können.

Dabei darf die Bildungspolitik nicht Einzelinteressen oder der Profilierung gewisser Parteien dienen. Auf dem Spiel steht nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Wissen wird zunehmend zum bestimmenden Faktor der Ökonomie und hat sich schon längst von den traditionellen und klassischen Produktionsfaktoren wie Arbeit, Kapital und Boden emanzipiert. Wissen gilt als Schlüssel für die Erklärung von Differenzen in Entwicklungsprozessen unterschiedlicher Nationen. Innovationen und Erfindungen sind in höchstem Masse von dem in der Gesellschaft verfügbaren Wissen abhängig. Dem Bildungssektor sowie der Forschung und Entwicklung kommt deshalb eine herausragende Stellung in der hochindustrialisierten Gesellschaft zu. In einem an herkömmlichen Rohstoffen armen und exportorientierten Land wie der Schweiz muss der Bildung deshalb höchste Priorität und Förderung zuteil werden. Denn letztlich sind wir, was wir wissen.

weiterführende Links:

»» "Schule für morgen – Schule von morgen – Schulen der Zukunft" (Ergebnisse der Beiratssitzung Verein Zivilgesellschaft vom 29. Oktober 2008)

»» "HarmoS" (Informationsportal der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren)

»» "PISA - Programme for International Student Assessment" (Informationsportal)

 
Ceterum Censeo | 3. Februar 2012 Vom Sonderfall zum ungeliebten Musterknaben: Gedanken zu den Standortvorteilen der Schweiz im taumelnden Europa Die Schweiz ist aktuell in einer besseren wirtschaftlichen Verfassung als viele andere Staaten. Auch die Finanzkrise vor drei Jahren bewältigte die Schweiz quasi im Eilzugtempo, während sich die Wirtschaft vieler Staaten jetzt noch auf der Kriechspur befindet. Sprach man früher vom Sonderfall Schweiz, passt heute eher der Begriff des Musterknaben für unsere spezielle Stellung. Sind Sonderfälle noch gelitten, werden Musterknaben selten geliebt, häufiger beneidet. Die Angriffe auf unsere Standortvorteile – Finanzplatz und Steuerfragen – führten den Unmute anderer Länder deutlich vor Augen. Das wirft die Frage auf, wo denn eigentlich unsere Vorteile heute noch liegen und wie stark diese gefährdet sind.

 
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