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«Der Mensch ist nichts anderes, als wozu er sich macht.»
Jean-Paul Sartre
Wie viel Wettbewerb verträgt das Bildungswesen?
Ceterum Censeo | 20. Juni 2008Wie viel Wettbewerb verträgt das Bildungswesen?Mit dem Projekt Harmos der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) sollen dereinst die Kantone die Vorgaben des neuen Bildungsartikels erfüllen. Das Ziel von Harmos ist nicht nur die gesamtschweizerische Vereinheitlichung der äusseren Strukturen der obligatorischen Schule. Harmos strebt auch eine Qualitätssteigerung und -kontrolle der Volksschulen an. Auf Ende 2008 rechnet die EDK mit den nötigen zehn beigetretenen Kantonen für eine Inkrafttretung des Konkordates; es sei denn, dass kantonale Referenden diese Planung über den Haufen werfen.

Die geplante Harmonisierung der Strukturen und Bildungsstandards ist auch eine Antwort auf das mässige Abschneiden der Schweiz im Pisa-Test 2003. Im Wettbewerb der Nationen und Gesellschaften spielt die Schule eine zentrale Rolle: Für die Gesellschaft und ihre Untergruppen hat das Schulwesen zentrale Bedeutung, weil das, was die Schüler dort lernen oder nicht lernen, die Überlebensfähigkeit der Gemeinschaften, denen sie angehören, wesentlich beeinflusst. Aus gesellschaftlicher Sicht hat das Erziehungswesen vorrangig die Aufgabe, die Erhaltung der Gesellschaft und ihrer Kultur im Wechsel der Generationen zu sichern. Dazu ist es notwendig, dass der Nachwuchs das Wissen und Können, aber auch die moralische Überzeugungen und Tugenden erwirbt, von denen der Fortbestand des Ganzen abhängt. Dazu gehört auch das Wirtschaftliche Grundgefüge der Lebensgemeinschaft

Lässt man die Tatsache weg, dass mit der Pisa-Studie in erster Linie nicht die Qualität der Schulsysteme sondern die Leistungen der Schülerinnen und Schüler gemessen wurde, stellt sich die Frage, ob und wie weit das gewählte Harmonisierungsrezept wirklich das Richtige ist? Wenn mit dem "Kantönligeist" im Schweizer Schulwesen den negativen Seiten des innerschweizerischen Wettbewerbs der Schulsysteme ein Riegel geschoben werden kann, dann ist das sicher ein positives Resultat des neuen Bildungsartikels. Generell stellt sich aber die Frage, wieviel Wettbewerb oder wieviel Vereinheitlichung das Bildungswesen verträgt und wie die positiven Seiten beider Konzepte genutzt werden können. Denn zuviel Zentralismus ist dem Bildungswesen genauso wenig zuträglich. Eine gesunde landesinterne Konkurrenz der Schulsysteme und der einzelnen Schulen muss nicht im Widerspruch zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Schule Schweiz stehen. Ein kluger Wettbewerb kann durchaus sinnvolle Beiträge zur Fitness des Schweizer Schulsystems leisten. Eine vertiefte Debatte sollte hier nicht nur von den politischen Parteien geführt werden, sondern von allen, denen unsere Zukunft am Herzen liegt.

weiterführende Links:

»» "HarmoS" (Informationsportal der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren)

»» "PISA - Programme for International Student Assessment" (Informationsportal)

»» "Fragen, Bewertungen und Thesen zur Umsetzung des neuen Bildungsrahmenartikels im Aargau" (Aargauische Stiftung für Freiheit und Verantwortung in Politik und Wirtschaft, April 2006) 
 

Hinweis:
Der Beirat des Vereins Zivilgesellschaft wird am 29. Oktober 2008 zum Thema "Schulen für morgen – Schulen von morgen – Schulen der Zukunft" tagen.

 

Ceterum Censeo | 30. April 2013
Eine Renaissance des Unbehagens in der Schweiz Die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Schweiz sind mannigfaltig. Die Strassen sind verstopft, die Züge überfüllt, durch einst grüne Auen wälzt sich unaufhaltsam die graue Schlacke des Siedlungsbreis. Die politischen Landesvertreter agieren auf dem internationalen Parkett vermehrt hilflos, Gesetze werden der kleinen Schweiz ohne mit der Wimper zu zucken aufgedrückt. Diesen Eindruck erhält, wer dieser Tage und Wochen die Zeitung liest.

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