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«Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.»
Albert Einstein
Generation kostenlos?
Ceterum Censeo | 22. Juli 2012Generation kostenlos? Über das Internet und seine Auswirkungen„Was nichts kostet, ist nichts wert“, liess Albert Einstein vor über 80 Jahren verlauten. Eine Aussage, die im letzten Jahrtausend entstand und nur in diesem Kontext Gültigkeit besass, so mögen moderne Menschen monieren. Denn gegenwärtig ist der Alltag geprägt von kostenlosen Angeboten. Das Internet hat nicht nur zu einer Vernetzung der Welt zu einem globalen Dorf geführt, sondern auch den Umgang mit geistigem Eigentum nachhaltig verändert. Nachrichten verbreiten sich in Windeseile, Musik, Bilder und Filme sind in digitalen Wolken abgespeichert und lassen sich durch jedermann überall und jederzeit abrufen – und das alles kostenlos. Kurzum: Alles was sich digital abspeichern lässt, ist im Internet kostenlos verfügbar. Diese Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen, sowohl für Konsumenten als auch für Produzenten. 

Die Herausforderungen des Internets für die Unterhaltungsbranche
Die Ursachen dieser Kostenlosigkeit hängen mit der Entstehung des Internets zu-sammen. Dessen Erfolg und die blitzschnelle Verbreitung liegen in der Offenheit der Netzwerkarchitektur begründet: Benutzer der Technologie sind gleichzeitig ihre Produzenten, Veränderungen werden in Echtzeit kommuniziert. Der spanische Soziologe Manuell Castells begreift das Internet deswegen als selbständig evoluierende Technologie, in der Prozesse des Lernens und Produzierens innerhalb des Systems ausserordentlich verkürzt werden. Die Krux liegt nun darin, dass die Offenheit des Systems für sämtliche Inhalte gilt. Auch für Inhalte, die urheberrechtlich geschützt sind wie etwa Texte, Bilder, Musik und Filme.

Die Unterhaltungsbranche hat das Potenzial des neuen Mediums zunächst verkannt und empfindliche Umsatzeinbussen erlitten. Nach Jahren der Inaktivität pocht sie nun auf die Einhaltung der Urheberrechtsgesetze. Mit „ACTA“ (Anti-Counterfeiting Trade Agreement), einem multilateralen Handelsabkommen auf völkerrechtlicher Ebene, scheint sie nun ein griffiges Instrumentarium zu erhalten, um Urheberrechtsverletzungen bekämpfen zu können. Das hat eine Welle der Empörung ausgelöst: Globale Internetgruppierungen wie „Anonymous“ greifen mit Hackerangriffen die Rechner von Regierungen an und bekämpfen unter dem Schlagwort der Freiheit die Einführung jeglicher Regulierungen des Internets. Ebenso die Piratenpartei, die in Deutschland einen kometenhaften Aufstieg hinter sich hat.

Neue Herausforderungen erfordern neue Lösungen
Tatsächlich scheint sich im Schatten der Inaktivität der Politik eine neue Generation herausgebildet zu haben. Eine Generation, die fern von jeglicher Kontrolle mit dem kostenlosen Konsum im Internet sozialisiert wurde und ihr Rechtsempfinden verän-dert hat. Sie legt eine ausgeprägte Gratismentalität an den Tag und versteht offen-sichtlich nicht, weshalb sie sich plötzlich zwingend an den Kosten der Unterhaltungs- und Medienindustrie beteiligen soll.

Gesellschaft, Politik und Industrie sind zum Handeln aufgerufen. In erster Linie brauchen wir eine eigenverantwortliche Gesellschaft, welche Eigentumsrechte und Verantwortung hoch hält. Beides darf nicht dem Gratisdownload geopfert werden. Dort, wo das nicht zum Erfolg führt, ist der Staat gefragt. Die Anklage und Verfolgung aller Urheberrechtsverletzer scheint allerdings dem Rechtsempfinden vieler Bürgerinnen und Bürger zu widersprechen. Das erschwert oder verunmöglicht gar die Umsetzung von rigorosen Gesetzen. Dort, wo Staat und Gesellschaft mit Eigenverantwortung versagen, sind somit Innovative Lösungsansätze gefragt. Aktuelle Beispiele wie die freiwillige ex-ante-Finanzierung von Musikalben oder Filmen (durch sogenanntes Crowdfunding) zeigen, dass Benutzer sehr wohl bereit sind, für gewisse Inhalte zu bezahlen – aber nur ohne Zwang. Diese Freiwilligkeit findet im Begriff der „Freeconomics“ ihren Ausdruck: Produzenten verschenken einzelne Produkte, um über andere Kanäle Geld zu machen. Ob sich solche Modelle als zukunftsträchtig erweisen, wird sich zeigen. Sicher ist einzig, dass sich die Mentalität der Internetgeneration nachhaltig verändert hat. Albert Einstein würde heute wohl sagen: „Was nichts wert ist, kostet nichts.“

Interessante weiterführende Literatur und Links:

>>Die Internet-Galaxie, Internet, Wirtschaft und Gesellschaft, Manuel Castells, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2005.

>>„Man darf die Gratis-Mentalität nicht hinnehmen.“ Interview mit dem deutschen Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Welt online, 19.06.2012

>>Was sind Freeconomics? Harvard Business Manager

 

Ceterum Censeo | 30. April 2013
Eine Renaissance des Unbehagens in der Schweiz Die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Schweiz sind mannigfaltig. Die Strassen sind verstopft, die Züge überfüllt, durch einst grüne Auen wälzt sich unaufhaltsam die graue Schlacke des Siedlungsbreis. Die politischen Landesvertreter agieren auf dem internationalen Parkett vermehrt hilflos, Gesetze werden der kleinen Schweiz ohne mit der Wimper zu zucken aufgedrückt. Diesen Eindruck erhält, wer dieser Tage und Wochen die Zeitung liest.

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