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«Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten.
Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.»
Arthur Schoppenhauer
Wer regiert die Welt?
Ceterum Censeo | 30. September 2011Wer regiert die Welt?Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs. Die Machtverhältnisse in der heutigen Welt sind nicht mehr so klar verteilt wie in früheren Zeiten. Auf den plötzlichen Umschwung durch das Ende des Kalten Krieges vor rund 20 Jahren folgt heute geopolitisch ein evolutionärer Prozess, welcher sich möglicherweise noch über einige Jahre hinziehen wird, bevor sich – wenn überhaupt – neue klare Machtverhältnisse herauskristallisieren. Wird die unbestrittene Ordnungsmacht der USA abgelöst? Wer tritt – wenn überhaupt – an deren Stelle? Welche Rolle kommt dem alten Europa zu?

Das Ende der Nationalstaaten?
Während Jahrhunderten haben vor allem die Nationalstaaten über die Machtverteilung gestritten. In den letzten Jahrzehnten kamen weitere Mitstreiter im globalen Wettlauf um Macht und Einfluss hinzu. Internationale Organisationen, supranationale Institutionen und multinationale Firmen, aber auch Interessens- und Glaubensgemeinschaften und grenzüberschreitende Regionalökonomien preschen ins bisherige Machtgefüge vor. Dabei geht es um politischen Einfluss, um Marktdurchdringung und um Durchsetzung von politischen, ökonomischen, religiösen oder gesellschaftlichen Modellen.

Globale Umweltprobleme, international vernetzte Firmenkonglomerate und immer grössere und riskantere Finanztransaktionen, historisch beispiellose Migrationsströme und die generell wachsenden ökonomischen Interdependenzen wachsen zu grossen  Herausforderungen heran. Die Frage liegt nahe: Wer steuert denn überhaupt diese ganzen Entwicklungen – oder im Sinne des altertümlichen Wortes: Wer regiert? Sind viele dieser Entwicklungen überhaupt noch steuerbar? Und wenn: Welche Steuerungseinheiten und Steuerungsebenen werden sich schliesslich durchsetzen?

Die heutigen Nationalstaaten weisen Strukturen auf, welche über fast vier Jahrhunderte gewachsen sind. Die zentralen Einheiten bleiben absehbar die Nationalstaaten. Ihr oft proklamiertes Ende muss relativiert werden. Auch wenn längst andere, internationale oder supranationale Akteure auf den Plan getreten sind und Variationen am Modell souveräner Staaten entstehen, bleiben die Regierungen der einzelnen Staaten vorerst die wichtigsten Entscheidungsträger in internationalen Fragestellungen. Das zeigen nicht zuletzt die Problemlösungsversuche der Länder in der Finanz- und Schuldenkrise sowie der Umgang mit dem sogenannten „Arabischen Frühling“.

Machtverschiebungen
Vordringlich interessant ist sicher die Frage, wie sich die geopolitischen Machtverhältnisse zwischen den Nationalstaaten künftig verteilen werden. Nach den alten Mächten Europas ist heute die USA daran, ihren Status als weltweit ordnende Supermacht zu verlieren. China ist als Gläubigernation sehr darum bemüht, in aufstrebenden Volkswirtschaften wie in Lateinamerika und ressourcenreichen afrikanischen Ländern zu investieren und Beziehungen zu knüpfen, um eines Tages bezüglich Einfluss und Geltung in die Fusstapfen der hochverschuldeten USA treten zu können. Staaten wie Indien und Russland können (noch) keine derart weitreichenden Beziehungsnetze vorweisen. Das Rennen um die Nachfolge der USA ist im Gange und der Ausgang ungewiss. Sicher ist hingegen, dass die Mächte des alten Westens – vereinigt in der EU - kaum gestärkt aus der aktuellen Verschuldungskrise herauskommen werden. Fast alle einzelnen Mitglieder der EU sind heute auf der internationalen Bühne zu unbedeutend, um sich im Alleingang noch ausreichend Gehör zu verschaffen. Der Anspruch der EU, als geeinte und einflussreiche Kraft im Theater der Mächte aufzutreten, scheint angesichts der inneren Probleme in weite Ferne zu rücken.      

Die Frage, wer die Welt regiere, ist gerade heute wieder viel einfacher zu stellen, als zu beantworten. Platon meinte einst, „die Welt soll von Philosophen regiert werden“, denn nur sie verfügen über „das nötige Wissen und die nötige Kraft zu regieren“. Angesichts der realen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten, Probleme, Krisen und Konflikte der Weltgemeinschaft kann jedenfalls mit Sicherheit gesagt werden, dass diese Idealvorstellung Platons auch heute noch eine grosse, kaum erreichbare Vision geblieben ist.

Interessante weiterführende Links:

»» Beiträge zur Frage „Wer regiert die Welt?“ (Schweizer Monat, 09/11)

»» Wie die Geldmacht China zur Weltmacht wird (Handelsblatt, 31.07.11)

»» Ratlose Weltmacht (Süddeutsche, 07.03.11)

»» Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Schweiz im 21. Jahrhundert (avenir suisse, 03/11)

 
Ceterum Censeo | 19. April 2012 Vom Wert bürgerlicher Tugenden im Internetzeitalter Eine Tugend wird im heutigen Sprachgebrauch oftmals mit etwas Antiquiertem assoziiert. Wird diesem noch das Wort bürgerlich vorangestellt, verkommt es in den Augen Vieler vollständig zu einem Konzept der Vergangenheit. Oft genannte bürgerliche Tugenden wie Anstand, Fleiss, Disziplin, Bescheidenheit und Verantwortung gepaart mit Gemeinsinn werden von vielen Zeitkritikern der heutigen Web2.0-Gesellschaft in Abrede gestellt. Hedonismus, Genusssucht, Leben auf Pump, Anspruchsmentalität und Entsolidarisierung sind im Trend.

Sind die bürgerlichen Tugenden, wie oft proklamiert, wirklich vom Aussterben bedroht? Wo sind die Ursachen dafür zu identifizieren? Und wie können wir verlorene Tugenden wie Fleiss, Bescheidenheit und andere wieder revitalisieren?

 
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